Die Geschichte der Comenius Universität
Die Comenius Universität ist die älteste Universität in der Slowakei. Sie wurde am 27. Juni 1919 gegründet, und folgt der UNI-Tradition der Academia Istropolitana, die der ungarische König Matthias Corvinus im Jahre 1467 gründete.

Die Verhältnisse in der Höheren Bildung in Bratislava
In der Mitte des 15. Jahrhunderts begannen sich humanistisch orientierte Richtungen aus Italien zu verbreiten und beeinflussten das Leben in europäischen Städten.

Bratislava bildete keine Ausnahme. Während der Regierung des ungarischen Renaissancekönigs Matthias Corvinus (1458 - 1490) entstanden günstige Bedingungen für neue Ideen, die sich einlebten und die kulturelle Entwicklung beeinflussten. Wieder wurden die Werte der antiken Philosophie, des Rechtes und dieEinstellungen zum Leben proklamiert. Mit der Geburt des Humanismus änderte sich die Einstellung zum Individuum markant, humanistische Kreativität, Bildung und Vorstellungen gewannen an Bedeutung.

In dieser Zeit befand sich auf unserem Territorium keine Universität, aber es war dringend notwendig eine Universität für das ?Studium generale? zu gründen. Studenten aus der Slowakei, die nach einer höheren Bildung strebten, konnten es nur an einer UNI im Ausland erreichen, in Prag, Krakow, Wien, Pest und noch weiter entfernt in Italien und Frankreich. Die UNI in Pest wurde bald geschlossen und das bedeutete, dass es keine Möglichkeit mehr für ein Höheres Studium in Ungarn gab.

Matthias Corvinus Gründe für die Gründung einer neuen UNI beinhalteten Folgendes: die Erhöhung des Bildungsgrades, die Bildung einer zentralistischen Monarchie und die Beseitigung des Einflusses der Prager UNI. Um die UNI gründen zu können, brauchte er das Einverständnis des Papstes. Am 19. Mai 1465, sendete er eine Delegation zu Papst Paul II. Die Delegation unter der Führung des Bischofs Ian Pannonius aus Pest präsentierte den Wunsch des Königs, eine UNI nach dem Modell der UNI in Bologna zu gründen. An dem gleichen Tag erklärte Papst sein Einverständnis schriftlich "Fiat ut petitur" (Lass es so sein, wie gewünscht)

In dieser Zeit wurde nicht über den Wohnsitz der UNI diskutiert. Bratislava wurde aus mehreren Gründen gewählt: es war ökonomisch wichtig, hatte eine günstige Lage und es war die Königsresidenz. Überdies war in der Nachbarschaft von Wien, woher die Professoren für die neue UNI gewonnen wurden.

Der Name der Universität, Academia Istropolitana, wird seit dem 15. Jahrhundert in historischen Jahrbüchern erwähnt als ?Universitas Histropolitana?, ?Universitas Histropolensis? und ?Universitas Posoniensis?. Istropolis bedeutet ?die Stadt an der Donau?. Der heutige Name, Academia Istropolitana, wird seit dem 16. Jahrhundert verwendet und beschreibt die humanistische und scholastische Orientierung der UNI.

Auch wenn Academia Istropolitana in der Blütezeit neuer Ideen gegründet wurde, auch wenn sich die Professoren um die positive Beeinflussung der geistigen Atmosphäre bemühten, war der Prozess der Verbreitung und Einlebung der Ideen des Humanismus und der Renaissance langsam und viel zu lang. Dank Matthias Corvinus blieb der Orden der Dominikaner in Bratislava, weil er seine starke Position an der UNI bestätigte. Trotz des guten Startes existierte die Academia Istropolitana nicht lange. Im Jahre 1471 wurde sie schließlich geschlossen.

Sie bestand zwar nicht lange, wenn man sie aus historischer Sicht betrachtet, spielte sie jedoch eine bedeutende Rolle als kulturelle, wissenschaftliche und bildende Institution. Als erste UNI auf dem Territorium der Slowakei bildete sie das Fundament für die Tradition der höheren Bildung.

Am Ende des 19. Jahrhunderts befanden sich auf dem Territorium der Slowakei keine Institutionen höhrer Bildung, ausgenommen der ?Akademie der Rechte in Bratislava. Die Lehrer dieser Akademie versuchten eine UNI durch die Vereinigung der Akademie der Rechte? mit der ?Institution der Evangelischen Theologie?, die in dieser Zeit dem Theologischen Lyzeum angeschlossen war, zu bilden.

Am 15. April 1880, gab der Herrscher das mündliche Versprechen, eine UNI in Bratislava zu gründen, aber der Bau wurde wegen eines Streites zwischen den Städten über ihren Wohnsitz verschoben. Bratislava gewann dank der Tradition, das es UNI-Sitz und Krönungsstadt war. Der Rechtsartikel XXXVI aus dem Jahre 1912 gründete dieElizabeth-Universität, die den Namen der Frau des Kaisers Joseph I. trug. Nach der Entstehung der Tschechoslowakischen Republik wurde die UNI infolge ihrer ungarischen Orientierung von der Regierung geschlossen.

Die Gründung der Comenius Universität
Die Entstehung eines neuen Staates, der Tschechoslowakischen Republik im Oktober 1918, änderte wesentlich die Lebensbedingungen der slowakischen Gesellschaft. Diese Änderungen hatten eine positive Wirkung vor allem auf das Bildungssystem in der Slowakei. Infolge der Gründung der Tschechoslowakischen Staatsuniversität in Bratislava war es schon im ersten Jahr ihrer Existenz möglich, günstige Bedingungen für die Entwicklung der UNI-Bildung in dem Land zu schaffen.

Die Bildung eines gemeinsamen Staates der Tschechischen und Slowakischen Nation, und vor allem das Bemühen der Tschechischen Intelligenz bei der Formung des Bildungssystems hat endlich den Wunsch der Slowakischen Nation und der Generation des Sturs nach der Gründung eigener UNI, wo die slowakische Intelligenz in der slowakischen Sprache ihre Bildung erlangen könnte, erfüllt.

Am 27. Juni 1919 hat der Nationalrat der Tschechoslowakischen Republik mit dem Gesetz Nr. 375 des Rechtskodex die Staatsuniversität in Bratislava gegründet. Am 11. Juli 1919 trat dieses Gesetz in Kraft und so begannen die Aktivitäten der UNI in Bratislava. Im November1919 wurde sie nach dem bekannten Pädagogen in Comenius Universität umbenannt.

Die Universität (Slowakische Universität) seit 1938 bis 1945
Politische Veränderungen, die im Oktober 1938 zur Autonomiedeklaration und später im März 1939 zur Bildung der Ersten Slowakischen Republik führten, hatten auch Einfluss auf die Comenius Universität. Hlinka`s Volkspartei (Ludova strana, deren Anhänger Ludaci genannt wurden) übernahm im Land die Kontrolle und die Garantie der parlamentarischen Demokratie verschwand allmählichaus den meisten Aspekten des öffentlichen Lebens. In Oktober 1938 fingen die Sympathisanten der Volkspartei aus den Reihen der Studenten nach einem radikalen Programm der ?Slowakisation? zu streben, die auch von der UNI vertreten werden sollten. Ihre Forderungen betrafen auch die Entlassung der Tschechischen Professoren und die Umbenennung der UNI nach dem slowakischen Nationalheld Ludovit Stur.

Die Tatsache, dass der Akademische Senat der UNI seine Protokolle in Slowakischer Sprache verfasste, war ein weiteres Zeugnis für das verädernde politische Klima. Im November 1938 veranstalteten Studentengruppen, geführt von Parteianhängern einen Protest ?Veni sancte?, durch Universitätslehrer und Administration wieder zum Anschluß aufgefordert wurden. Die Administration änderte auf Drängen des Präsidenten der Slowakischen Republik den Namen der UNI von Comenius Universität zu Slowakische Universität (im Text weiter als SU erwähnt). Sie haben darüber gesprochen, den Namen einer Persönlichkeit aus der slowakischen Geschichte zu nehmen, aber es geschah nicht so. Der Name SU blieb sogar ofiziell mit dem Gesetz aus dem 3. Juli 1940 bestätigt. Der neue Name wurde bis 1954 gebraucht, bis der ursprüngliche Name - Comenius Universität - wieder benutzt wurde.

Die Entwicklung der Universität von 1945 bis 1989
Nach dem zweiten Weltkrieg begann ein neues Stadium in der Entwicklung der Uni. Der Krieg und die Front, die durch Bratislava gingen, verursachten schwere Schäden an der UNI. Im Interesse eines frühen Unterrichts an den Fakultäten, wurde ihr neues akademisches Personal mit dem Dekret Nr. 128 der Slowakischen Nationalverssammlung am 19. April 1945 ernannt, kurz nach der Befreiung von Bratislava.

Zusammen mit der Beseitigung der Kriegsschäden begann die UNI auch mit der Auseinandersetzung mit den Personen, die sich durch die Zusammenarbeit mit Hlinka´s Regime kompromitierten. Nach dem Einschließen zu der Konfirmationskommission, überprüfte die Kontrollkommission die Authentizität der Staats- und Rigorosenprüfungen seit 1938. Ende Mai 1945 begannen die Vorlesungen nach der Ergänzungseinschreibung, bei der sich mehr als 2500 Studenten einschrieben.

Kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges begann das Wachstum in dem sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Leben, wofür vor allem der UNI zu danken ist. Sie hat nicht nur größere Zahlen der jungen slowakischen Intelligenz unterstützt, sondern sie bildete auch bessere Bedingungen für wissenschaftliche Forschung. Sie trug auch zur Entstehung anderer Institutionen in der Slowakei bei, die sich der Bildung, der Wissenschaft und der Kultur widmeten. Das sich erweiternde Netz der Höheren Bildung gewann seine ersten Professoren vor allem aus den Reihen der Absolventen. Bei der 35. Jahresfeier der Gründung der UNI, gab die Tschechoslowakische Regierung mit dem Dekret Nr. 49/1954 am 2. November 1954 der UNI ihren ursprünglichen Namen - Comenius Universität - zurück.

Die Comenius Universität - in der Gegenwart
Unumgängliche Reformen der Höheren Bildung entstanden nach der Novemberrevolution und fanden ihren Ausdruck in dem neuen Gesetz über Höhere Bildung. Das Gesetz Nr. 172 von 4. Mai 1990 bildete die legislativen Grundbedingungen für den Rückkehr der Comenius Universität zu der europäischen Akademischen Gesellschaft und sie kehrte zurück zu ursprünglichen akademischen Tradition. Die höchsten Organe der Selbstverwaltung wurden gebildet: der akademische Senat der Comenius Universität, die akademischen Senate der Fakultäten wurden auch gebildet. Das System des Managements wurde demokratisch, es basierte auf der Zusammenarbeit der akademischen Kommunität, der akademischen Senate und ihren Kommissionen mit dem Leadership der UNI und der Fakultäten und den Wissenschaftsräten.

Auch das System der Forschungsaktivitäten änderte sich wesentlich. In der Harmonie mit dem Hauptziel - sich der Welt zu öffnen - begann eine dynamische Zusammenarbeit und es entstanden neue ausländische Kontakte. Als Folge der demokratischen Änderungen in Mittel- und Westeuropa eröffnete sich die Möglichkeit für die Integration der Universitäten in das Netz der Institutionen der Höheren Bildung in den entwickelten europäischen Ländern. Die Comenius Universität und unsere Hochschulen spielten eine wesentliche Rolle bei diesem Prozess, vor allem dank ihrer Zusammenarbeit mit interantionalen Nicht-Regierungsorganisationen, die diesen Prozess koordinierten. Die Comenius Universität gewann allmählich Repräsentation in den exekutiven Organen und Komitees der Europäischen Komunität, im Europarat, in der internationalen Vereinigung der Universitäten, in der ständigen Kommission der Rektoren der Europäischen Universitäten, in den Konferenzen der Rektoren der Staaten an der Donau, in der Konferenz der Rektoren in der Region des Oberen Rheins, in der Europäischen Vereinigung für die Führung der Hochsschulen, UNESCO und andere.

Diese dynamische Entwicklung der ausländischen Kontakte im Rahmen des Ziels begann 1990. Nach 3 Jahren intensiver Entwicklung der internationalen Beziehung arbeitete die Comenius Universität mit Dozenten ausländicher Universitäten, mit internationalen Nicht-Regierungsorganisationen, die die Wissenschaft und Bildung in europäischen Ländern unterstützten, zusammen.

Heutzutage arbeitet die Comenius Universität auf der Basis geschlossener Verträge mit Universitäten in Madrid, Udine, Clermont-Ferrand, Bremen, Halle, Wien, Graz, Ljublana, Moskau, Bazilien, Padua, Triest, Paris, Katowice, und Melbourne zusammen. Das Hauptziel dieser Zusammenarbeit ist die Bildung internationaler Kontakte einschließlich Studienbesuche der Studenten und der Angestellten der Comenius Universität.

Sie hat eine gute Reputation in der ersten Linie der Forschung und Bildung. Mehr als 5000 Mitarbeiter unterrichten 25000 Studenten (tägliches Studium) an 12 Fakultäten. Die Studenten der Comenius Universität kommen aus mehr als 40 Ländern.

Die Chronologie der wichtigesten Ereignisse der Universität

1919 Gründung der Comenius Universität, Gründung der Medizinischen Fakultät
1921 Gründung der Juristischen und Philosophischen Fakultät
1939 Umbenennung der Comenius Universität zu Slowakische Universität
1940 Gründung der Naturwissenschaftlichen Fakultät, die Katholische Theologische Fakultät wurde Bestandteil der Universität (1940 - 1946)
1946 Gündung der Pädagogischen Fakultät (1946 - 1953)
1952 Gründung der Pharmazeutischen Fakultät (Pharmazie studierte man seit 1939 im Rahmen der Medizinischen Fakultät )
1952 Gründung der Fakultät der Gographie und Geologie (1952 - 1959)
1954 Comenius Univesität bekam ihren ursprünglichen Namen
1960 Gründung des Instituts für Körpererziehung und Sport (seit 1965 Fakultät für Körpererziehung und Sport)
1964 Gründung der Pädagogischen Fakultät in Trnava (Rückkehr nach Bratislava 1986)
1969 Gründung der Medizinischen Fakultät in Martin
1980 Gründung der Fakultät für Mathematik und Physik
1990 Evangelische Fakultät und römisch-katholische theologische Fakultät des Hl. Kyrills und Methods gehören auch zur UNI
1991 Gründung der Fakultät für Management